Rückblende zum aktuellen Zeitgeschehen

Mit Hermann Burger auf Reportage, 1988

Die Schreibmaschine war sein Ferrari, schreibt Guido Kalberer im Tages Anzeiger vom 21.10.2016 zum erscheinen seines erst jetzt veröffentlichten Romans «Lokalbericht». Und weiter: Er war ein Zauberer, kein Zauderer, ein Illusionist, kein Minimalist – kurz: einer, der alles auf eine Karte setzte.

Im September 1988 haben ich anlässliche der Reportage über die «Residenza Villa Sassa» in Lugano Hermann Burger persönlich kennen gelernt. Titel der Geschichte:
„Als Testgast in der Residenza Villa Sassa in Lugano – Ein Altersparadies in Carrara bianco“.
Erschienen in der NZZ, Wochenende vom 26./27. November 1988, Hermann Burger (Text), Guido Baselgia (Bilder).

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«Schriftsteller sein heisst nicht im Elfenbeinturm hocken, sondern sich auf Verstrickungen einlassen.»

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«Konkret, was passiert mit den Toten? Da zeigt man mir auf mein drängen den dreieckigen Raum, wo gerade ein Muratore aus Bergamo Mörtel an die Wand spachtelt.»

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Hermann Burger an seiner Hermes Schreibmaschine – in der Musterwohnung der «Residenza Villa Sassa», die als Luxus-Altersresidenz geplant und gebaut wurde, seit langem aber in ein Hotel & Residence, Wellness & SPA umfunktioniert ist.

Pierre Boulez im Kunsthaus Zug, 2006

Am 5. Januar 2016 ist Pierre Boulez im Alter von neunzig Jahren in Baden-Baden gestorben. «Wegweisend und einflussreich, wie er war, hinterlässt er ein Erbe von imposanter Dimension. Mit Boulez‘ Tod geht die Moderne zu Ende – die Moderne im strengen Sinn», wie in der NZZ am folgenden Tag zu lesen war.
02_Pierre Boulez 2006_046_11Ich selbst bin Pierre Boulez 2006 im Kunsthaus Zug begegnet. Es war eine Zusammenarbeit im Rahmen der Ausstellung „Harmonie und Dissonanz | Gerstl – Schönberg – Kandinsky“ mit dem Lucerne Festival, der Musikhochschule Luzern und dem Arnold Schönberg-Center, Wien.

4 Bilder aus 4 Reportagen von 1986-1990

 

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Berlin: Die Mauer. Blick von Westen nach Osten. Patrouillierende DDR Grenztruppe auf dem ‚Kolonnenweg’. Berlin-Lübers, Blankefelder Chausee, Februar 1986.

 

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Am Feierabend das Pferd nach Hause bringen. Begegnung am Dorfeingang von Kruszyniany (Ostpolen), Mai 1987

 

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„Haus des Volkes“, wie der Parlamentspalast damals auch genannt wurde, ist eines der grössten Gebäude Europas. Ein ganzer Stadtteil, Wohnhäuser, Kirchen, Synagogen wurden abgerissen um Platz zu schaffen. Nach dem Sturz Nicolae Ceausescus wagten sich die aus der Stadt vertriebenen Romas wieder auf den „Platz des Volkes“ um einen Augenschein zu nehmen. Bild: Bukarest, Februar 1990

 

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Lwiw (Lwów, Lemberg)

Nach dem Zerfall der Sowjetunion formierten sich in Lwiw die Menschen um für eine unabhängige West-Ukraine zu demonstrieren. Man glaubt zu erkennen, dass in den Gesichtern sich der Vielvölkerstaat spiegelt, der das Zusammenleben im einstigen Königreich Galizien geprägt hat. „Prospekt der Freiheit“ August 1990.

Flüchtlinge

Osijek Kata Kormann 1991

Im Dezember 1991 reiste ich für eine Reportage nach Kroatien in das Kriegsgebiet Ostslawoniens nach Osijek. Die Stadt war zu jener Zeit vom Krieg schon schwer beschädigt. Wer nicht geflohen war, brachte sich in Kellern in Sicherheit. Ich besuchte mit Hilfe von ortskundigen Begleitern einige der wenigen Zurückgebliebenen, wie Kata Kormann, die in ihrem improvisierten Schutzraumen im Keller ihres Hauses ausharrte.

„Hoffen auf Frieden“ (Text Alois Feusi) erschien in der Schweizer Familie.

 

Im darauf folgenden Jahr, als das Flüchtlingselend als Folge des Bürgerkrieges in Ex-Jugoslawien immer grösser wurde, hatte die Schweiz unbürokratisch schnell reagiert: Hunderte von Flüchtlingen konnten in die Schweiz einreisen, wo sie an verschiedenen Orten untergebracht und betreut wurden. In der ehemaligen „Basler Heilstätte“ in Davos fanden 44 Kinder und 48 Erwachsen Zuflucht. Heute steht an dieser Stelle das Hotel Intercontinental.

 

„Fluchthilfe“ (Text Alois Feusi) erschien ebenfalls in der Schweizer Familie.

 

Berlin vor 26 Jahren

Der Fall der Mauer am 9. November 1989 war kaum zu fassen. Aus diesem Grund reiste ich damals spontan nach Berlin. Am 18. November fotografiert ich demonstrierende Menschen auf der Westseite des Brandenburger Tores, einen DDR Grenzpolizisten der von der Mauerkrone herab mit den Kollegen Westberlins das Gespräch suchte, derweil sich der Britische Aussenminister Douglas Hurd, umgeben von einem Pulk von Presseleuten,  vor Ort ein Bild der Ereignisse machte. Gerade 327 Tage lagen zwischen dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990, die sich dieses Jahr zum 25. mal jährte.

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Im Archiv 29 Jahre zurückgeblättert

Aus der Zeitung habe ich eben entnommen, dass Barbara Brecht-Schall, Tochter und „strenge Nachlassverwalterin“ von Bertolt Brecht und Helene Weigel, am 31. 8. 2015 im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben ist. Als Barbara Berg spielte sie bis 1972 am Berliner Ensemble.

 

Barbara Brecht-Schall in Berlin

Am 14. Februar 1986 habe ich Barbara Brecht in ihrer Berliner Wohnung besucht da ich an einer Reportage über Bertolt Brecht für das damalige „Wochenende“ der NZZ arbeitete (Text Kaspar Schnetzler). Nachzuschlagen in der NZZ vom 5. April 1986.

Ekkehard Schall in Berlin

Ekkehard Schall (1930-2005) ihr Mann, „der profilierteste Brechtdarteller und einer der prägendsten Mitglieder des Berliner Ensembles“, hatte während meiner Anwesenheit kurz vorbeigeschaut. So entstand überraschend „aus der Hüft geschossen“ das Bild des Schauspielers, zwischen „Tür und Angel“.