Biografie

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Guido Baselgia (*1953), ist in Pontresina / Engadin aufgewachsen. Er lebte und arbeitete von 1970 bis 2010 in Baar und Zug. 2010 verlegt er seinen Wohnsitz nach Malans/GR, wo er auch sein Atelier eingerichtet hat.Nach der Ausbildung in der Fotoklasse der Kunstgewerbeschule Zürich (heute ZHdK), 1975–1979, arbeitet er als Werkfotograf führender Industrieunternehmen. 1983 eröffnet er sein eigenes Atelier in Baar. Es folgen Jahre intensiver Reportagetätigkeit, unter anderem auf Reisen durch die damalige DDR, Polen, Galizien, Rumänien, Weissrussland, Ostslawonien. Von 1982 bis 1989 reist er für Industrieprojekte in Europa, im Irak und in den USA. Dazu sind mehrere Bücher und Publikationen entstanden sowie zahlreiche Beiträge in der Wochenendbeilage der «Neuen Zürcher Zeitung», im «Magazin» des «Tages-Anzeigers» und in anderen Printmedien.

Seit Anfang der 1990er-Jahre wendet er sich vermehrt Themen zu, die in einem konkreten Zusammenhang mit seinem unmittelbaren Lebensraum stehen. Im Auftrag von öffentlicher und privater Hand realisiert er Dokumentationen zu sozialen und kulturellen Themen.

Von 1996 bis 2002 begleitet er in Kooperation mit dem Kunsthaus Zug die Künstler Tadashi Kawamata, Richard Tuttle und Pavel Pepperstein. Es entstehen umfassende Fotoessays und Buchpublikationen über die Künstler. 1998 erscheint der Bildband «ZugStadt – Eine fotografische Erforschung» (Benteli Verlag Bern) er ist das Resultat des Zuger Werkjahres, das Guido Baselgia 1996 zugesprochen erhält. Am Beispiel des Mikrokosmos der Stadt Zug, untersucht er den urbane Raum als Infrastruktur der modernen Gesellschaft. Diese Arbeit führt ihn zur Frage nach der Relevanz eines Bildes überhaupt; es kündigt sich eine Wende in seinem Schaffen an.

Seine Arbeit konzentriert sich fortan auf die von Naturkräften geprägte Landschaft. Erst ist es die Landschaft seiner Herkunft, des Engadins, danach die im hohen Norden von Finnland und Norwegen. Noch viel mehr als im Engadin trifft er hier, rund 500 Kilometer nördlich des Polarkreises und fern jeglichen menschlichen Lebens, auf die absolute Ereignislosigkeit – Steine, Eis, Licht. Ein neues Bild von Landschaft entsteht, es sind Lichtbilder im eigentlichen Sinn die Guido Baselgia mit der Grossbildkamera aufnimmt und im analogen Verfahren in seinem Labor auf die Bromsilberschicht ausbelichtet. Die Einzelausstellungen und die Kataloge von Hochland im Bündner Kunstmuseum Chur (2001) und Weltraum im Kunsthaus Zug (2004) stossen auf grosse Beachtung im In- und Ausland. Die Werkgruppe Hochland wird 2002 als offizielle Vertretung zeitgenössischer Schweizer Fotokunst an der Internationalen Triennale für Fotografie in Tampere/Finnland sowie in der Kunsthalle Erfurt gezeigt. Teile beider Werkgruppen sind an der 9. Internationalen Architekturbiennale Venedig (2004) und Teile von Weltraum in der Ausstellung Weltbilder im Helmhaus Zürich (2005) zu sehen.

2006 erhält er für sein künstlerisches Schaffen den Innerschweizer Kulturpreis.

Auf seinen Reisen 2005/2006 in den bolivianischen Altiplano und in die chilenische Atacamawüste setzt Guido Baselgia seine Arbeit fort. Licht an sich wird zum beherrschenden Thema. Hier richtete er sein Objektiv ins Unendliche, Himmel und Erde, Positiv und Negativ werden mitunter austauschbar. Die Arbeit erscheint 2008 im Verlag Hatje Cantz unter dem Titel Silberschicht, (Einzelausstellung im Museum im Bellpark, Kriens 2008) und fügt sich mit den vorangegangenen Werkzyklen Hochland und Weltraum zu einer Trilogie. Was vor mehr als zehn Jahren seinen Anfang nahm, hat Guido Baselgia hier in seiner neuen Arbeit nochmals vertieft: die Ergründung von Natur und die Auseinandersetzung mit der Authentizität und Relevanz eines Bildes.

Von 2006 – 2014 unternimmt er Reisen nach Ecuador, Feuerland, den Hohen Norden und immer wieder auch ins Engadin. Ein Reisestipendium der Landis&Gyr Kulturstiftung ermöglicht ihm diese breit angelegte Recherche. Er fokussiert darin auf Grenz- und Randzonen und auf Phänomene der Dämmerung. Was von blossem Auge nicht sichtbar ist, zeigen seine Fotografien: der Lauf der Sonne und der Gestirne in der nördlichen und südlichen Hemisphäre. So entstand über einen Zeitraum von mehr als 8 Jahren der Werkzyklus Light Fall/Falllicht, der 2014 als monografische Publikation im Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich erscheint.

2016 erhält er für sein künstlerisches Schaffen den Kulturpreis der Gemeinde Pontresina.

Aus Anlass der Preisverleihung gibt Guido Baselgia in der Ausstellungen (nicht)fern (2016) in der Galerie Plattner&Plattner einen Überblick über sein jüngstes Werk. Darin zeigt er auch eine neue, für den Ort geschaffene Werkgruppe, die in den Wäldern um Pontresina entstanden ist. Er untersucht dabei das Phänomen des latenten Bildes im analogen fotografischen Prozess. Erinnerung nennt der Künstler diese Werkgruppe, mit Bezug zu Nähe und zur Ferne. Zur Ausstellung erscheint der Katalog (nicht)fern, herausgegeben von der Galerie Plattner & Plattner, Pontresina (2016).

2018 und 2019 unternimmt Guido Baselgia zwei Expeditionen ins Amazonasbecken von Ecuador und Peru. Er setzt sich darin mit der Darstellbarkeit des tropischen Regenwaldes auseinander: «Wie ein Memento Mori würdigt Baselgias Arbeit diesen Landschaftsraum, dessen wirtschaftliche Ausbeutung sich längst auf das globale Klima auswirkt», schreibt die Fotostiftung Schweiz in ihrer Ankündigung zur Ausstellung: Guido Baselgia – Als ob die Welt zu vermessen wäre (2019/2020) in Winterthur. Zur Ausstellung ist in der Edizioni Periferia die gleichnamige Publikation erschienen.

2020 erhält er für sein künstlerisches Schaffen den Kulturpreis des Kanton Graubünden.

Gegenwärtig arbeitet Guido Baselgia im Landschaftsraum des Berninapasses. Der auf dem Ospizio Berrnina von Bearth & Deplazes Architekten realisierte neue Strassennterhalts-Stützpunktes ist Auslöser dieses Vorhabens. In Zusammenarbeit mit den Architekten hat Baselgia zuoberst auf dem Siloturm eine begehbare Camera Obscura realisiert. Sie ist gleichsam die physische Verbindung zwischen Fotografie, Architektur und Landschaft, dergestalt, dass Kunst am Bau zur Kunst vom Bau wird: im dunklen Innern des Siloturms scheint allmählich das Gebirge des Cambrenamassivs auf, wie das latente Bild einer Fotografie, die sich langsam entwickelt – kopfüber und seitenverkehrt.

 

Einzelausstellungen (Auswahl)

2019 Fotostiftung Schweiz, Winterthur, Als ob die Welt zu vermessen wäre
2018 Galerie Löwen, Chur, Von der Erde
2016-2017 Galerie Plattner & Plattner, Pontreseina (Nicht) fern und Weitung
2014 Galerie Silvan Faessler, Zug, A night long
2014 Galerie Andres Thalmann, Zürich, Light Fall
2011 Galerie Elisabeth Costa, Pontresina, LungoGuardo
2008 Istituto Svizzero di Roma, Lamina d’argento
2008 Galerie Bob Gysin, Zürich, Silbersalz
2008 Museum im Bellpark, Kriens, Silberschicht
2007 Museum Chasa Jaura, Valchava, Fotografien
2006 Galerie Elisabeth Costa, Pontresina, Fotoarbeiten
2005 Galerie Bob Gysin, Zürich, Von der Oberfläche der Erde
2004 Galerie Wäcker & Jordanow, München, Fotografien
2004 Kunsthaus Zug, Weltraum,
2003 Nairs, Zentrum für Gegenwartskunst, Scuol, Hochland,
2002 Kunsthalle Erfurt, Hochland
2001 Bündner Kunstmuseum, Chur, Hochland

 

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2019  Museum Sankturbanhof, Sursee, Traces of Turner
2019  Museum der Moderne, Salzburg, Fly me to the Moon
2019  Kunsthaus Zürich, Fly me to the Moon
2018  Bündner Kunstmuseum, Chur, Jahresausstellung
2016  Bündner Kunstmuseum, Chur, Archiv – 80 Jahre Bündner Kunst
2015  Galerie Katz Contemporary, Zürich, Irrlichter
2015 Fondazione Cini, Venedig, Imago Mundi, Map of New Art
2015 Kunsthaus Zug, Use fo Time, Wege der Sammlung 1
2014 Kunstmuseum Luzern, Ins Offene! (…)
2014 Vorarlberg Museum, Bregenz, Jenseits der Ansichtskarte (…)
2013 Kloster Schönthal, Heliogravüren und Lithographien
2013 Galerie Stihl Waiblingen, Jenseits der Ansichtskarte – Die Alpen in der
2013 Museum im Bellpark, Kriens, Der Raum zwischen den Bergen
2013 Museo Cantonale d’Arte, Lugano, Sammlung Bank Baer
2011 Fotostiftung Schweiz,  Schweizer Fotobücher (…)
2011 Bündner Kunstmuseum, Chur, Platzwechsel
2010 Kunsthaus Zug, Kunstlabor – Die Sammlung
2010 Bündner Kunstmuseum, Chur, Foto Szene GR
2009 Vorarlberger Landesmuseum, Bregenz, Schnee, Rohstoff der Kunst
2009 Kunst(Zeug)Haus, Rapperswil, Sammlung: Fokus Fotografie
2008 Photoforum Centre PasquArt, Biel, Helio

 

Gruppenausstellungen (Auswahl) Fortsetzung

2007 Kunstmuseum Luzern, Top of Central Switzerland
2007 Kunsthaus Zug, FernNah
2006 Kunsthaus Zürich, In den Alpen
2005 Helmhaus Zürich, Weltbilder
2004 La Biennale Venezia, 9. International Architecture Exhibition
2002 Internationale Fototriennale Backlight 02, Tampere, Finnland

 

Installationen und Kunst am Bau (Auswahl)

2019 Camera Obscura Bernina Ospizio, Strassenunterhaltsstützpunkt Kanton GR
2015 Gemeinde Pontresina, Parkhaus Rondo
2013 Regierungsgebäude des Kanton Zug
2013 IWB, Industrielle Werke Basel
2010 Künzle-Heim Stadt Schaffhausen
2008 Spa Suites, Grand Resort Bad Ragaz
2008 Schule Dorfmatt, Einwohnergemeinde Baar
2005 Betagtenzentrum Neustadt, Stiftung Alterszentrum Zug
2002 Territoire Imaginaire, EXPO.02, Biel / Culture Prospectiv, Zürich

 

Auszeichnungen (Auswahl)

2020 Bündner Kulturpreis
2017 Landis & Gyr Stiftung, Werkstipendium
2016 Kulturpreis der Gemeinde Pontresina
2011 Landis & Gyr Stiftung, Reisestipendium
2004 Anerkennungspreis des Kantons Graubünden.
2006 Innerschweizer Kulturpreis.
1998 Werkjahr der Kulturstiftung UBS – Art Award, Zürich
1996 Zuger Werkjahr
1978 Eidgenössisches Kunststipendium

 

Monografien (Auswahl)

Guido Baselgia – Als ob die Welt zu vermessen wäre, hrsg. Fotostiftung Schweiz Winterthur, mit Texten von Florencia Garramuño und Teresa Gruber, Luzern: Edizioni Periferia 2019

Guido Baselgia – (Nicht) fern, mit einem Text von Susann Wintsch, hrsg. Galerie Plattner&Plattner, Pontresina, 2016

Guido Baselgia – Light Fall / Falllicht, hrsg. von Nadine Olonetzky, mit Texten von Andrea Gnam und Nadine Olonetzky, Zürich: Verlag Scheidegger & Spiess 2014.

Guido Baselgia – Silberschicht, hrsg.  Museum im Bellpark Kriens, mit einem Text von Hilar Stadler, Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz Verlag 2008.

Guido Baselgia – Weltraum, hrsg. Kunsthaus Zug, mit einem Text von Matthias Haldemann, Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz Verlag 2004.

 Guido Baselgia – Hochland, hrsg. Bündner Kunstmuseum Chur, mit Texten von Peter Pfrunder und Beat Stutzer, Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz Verlag 2001.

Guido Baselgia. ZugStadt – Eine photographische Erforschung, mit Texten von Peter Pfrunder und Michael van Orsouw, Bern: Benteli Verlag 1998

Galizien – Fotografien von Guido Baselgia, mit einem Essay von Verena Dohrn, Frankfurt am Main: Jüdischer Verlag im Shurkamp 1993.

 

Nachschlagewerke (Auswahl)

SIK, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, www.sikart.ch

Peter Pfrunder: Schweizer Fotobücher 1927 bis heute. Eine andere Geschichte der Fotografie, Guido Baselgia Hochland-Weltraum-Silberschicht S. 506-513, “hrsg. von Peter Pfrunder & Fotostiftung Schweiz, Zürich: Lars Müller Publishers 2011.

Katharina Amman: Fotoszene GR, Albert Steiners Erben, Guido Baselgia S.63/64, hrsg. Bündner Kunstmuseum, Katharina Amman, Bern: Benteli Verlag 2010

Niklaus Oberholzer: 51 Bilder aus der Zentralschweiz, 1972-2008, Guido Baselgia Palkaskero, S. 230-234, Luzern/Poschiavo: Edizioni Periferia 2009.

Beat Stutzer: Sternstunden. Bündner Kunstmuseum, Ankäufe, Schenkungen und Deposita, hrsg. Beat Stutzer, Guido Baselgia, Alp Munt 2002 S. 124/125 und 136, Chur: Bündner Kunstmuseum 2003

 

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